Automatisierte Pentests: Vor- und Nachteile

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Penetrationstests (Pentests) sind ein essenzieller Bestandteil moderner IT-Sicherheitsstrategien. Sie dienen dazu, Systeme, Anwendungen und Netzwerke gezielt auf Schwachstellen zu prüfen. Mit der wachsenden Zahl an Tools und Skripten, die Pentester:innen unterstützen, gewinnt die Automatisierung in diesem Bereich zunehmend an Bedeutung.

Was bedeutet Automatisierung bei Penetrationstests

Unter „Automatisierung“ versteht man den Einsatz von Skripten, Tools oder Plattformen, die bestimmte Aufgaben – etwa das Scannen von Ports, das Aufspüren von bekannten Schwachstellen oder das Durchführen von Fuzzing-Angriffen – eigenständig ausführen. Anstatt jeden Schritt manuell durchzuführen, können Pentester:innen Tools wie Nmap, OpenVAS, Burp Suite (mit automatischen Scans) oder spezialisierte Scripte einsetzen, um große Teile des Testprozesses zu beschleunigen.

Vorteile der automatisierten Pentests

Zeitersparnis und Effizienzsteigerung

Automatisierte Scans und Routinetests ermöglichen es, große Netzwerke oder Anwendungen in kurzer Zeit zu überprüfen. Standardaufgaben wie Port- und Schwachstellenscans lassen sich dadurch erheblich beschleunigen. Die gewonnene Zeit können Pentester:innen für komplexere manuelle Tests nutzen. Durch automatisierte Tools wird eine breitere Abdeckung von möglichen Angriffspfaden erreicht. Gerade bei sehr großen Netzwerken oder umfangreichen Webanwendungen können Tools systematisch und wiederholbar sämtliche Endpunkte, Subdomains oder Parameter durchsuchen, ohne dass etwas „übersehen“ wird.

Konsistente Ergebnisse

Skripte und automatisierte Scanner arbeiten nach festgelegten Mustern. So ist sichergestellt, dass ein bestimmter Test jedes Mal identisch abläuft, was Vergleiche über verschiedene Zeitpunkte ermöglicht. Dadurch kann man zum Beispiel Veränderungen an der Sicherheitslage (neue Schwachstellen, gefixte Lücken) leichter feststellen.

Entlastung für die Pentester:innen

Die automatisierte Abarbeitung von Routineaufgaben entlastet menschliche Pentester:innen, die sich stattdessen auf die tiefgehende Analyse komplexer Schwachstellen konzentrieren können. Das steigert die Qualität des Pentests und verringert die Fehlerquote bei repetitiven Aufgaben.

Nachteile der automatisierten Pentests

Hohe Anzahl von False Positives

Automatisierte Scanner neigen dazu, viele potenzielle Schwachstellen zu melden, die sich bei genauem Hinsehen als harmlos herausstellen. Das Sortieren und Evaluieren von False Positives nimmt mitunter genauso viel Zeit in Anspruch, als wären die Tests manuell durchgeführt worden.

Begrenzte Kreativität

Angreifer:innen (und Pentester:innen) nutzen oft unkonventionelle Wege, um ein Zielsystem zu kompromittieren. Automatisierte Tools folgen vordefinierten Mustern und erkennen manchmal keine Schwachstellen, die bei kreativen manuellen Angriffen ausgenutzt werden können. Eine intelligente, durchdachte Exploit-Kette kann von Maschinen leicht übersehen werden.

Fehlende Kontextsensitivität

Viele Schwachstellen entstehen durch Kombinationen von Teilangriffen, fehlerhaften Konfigurationen oder komplexen Geschäftslogiken. Ein automatisiertes Tool kann diese kontextabhängigen Lücken kaum aufspüren, weil es die zugrunde liegenden Logikfehler oder abweichendes Verhalten nicht erkennt.

Risiko der Überautomatisierung

Wer sich zu sehr auf automatisierte Prozesse verlässt, läuft Gefahr, kritische Schwachstellen zu übersehen. Das Vertrauen in Tools kann dazu führen, dass manuelle Prüfschritte vernachlässigt werden.

Best Practices für den Einsatz von Automatisierung

Kombination von automatisierten und manuellen Tests:

Automatisierung ist eine Ergänzung, kein Ersatz für menschliches Fachwissen. Nach dem Einsatz von Scannern sollten die Ergebnisse validiert und weiter analysiert werden.

Mehrere Tools einsetzen:

Jedes Tool hat andere Schwerpunkte und Abläufe. Der kombinierte Einsatz von Scannern (z. B. Nmap, Nessus, OpenVAS) erhöht die Chance, ein breites Spektrum an Schwachstellen abzudecken und False Positives zu minimieren.

Regelmäßige Kalibrierung und Konfiguration:

Scanner müssen aktuell gehalten und konfiguriert sein, damit sie neue Schwachstellen und Exploits erkennen. Auch das Ausschließen bekannter Fehlalarme (z. B. durch Whitelists) sollte Bestandteil der Tests sein.

Sorgfältiges Management der False Positives:

Ein solides Reporting und eine strukturierte Nachbearbeitung der von den Tools gemeldeten Funde reduzieren den Zeitaufwand. Dabei helfen Hilfsmittel wie Issue-Tracker oder SIEM-Systeme.

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